Interview mit Dennis Otten, der eigentlich Softwareentwickler ist, aber für einige Wochen im Jahr Unterricht gibt

Moin Dennis, du kommst gerade aus deinem Modul C# in der Vollzeitklasse des IT-Bildungshauses. Wie waren die drei Wochen?

Sie waren intensiv, wie immer. Denn wenn du Unterricht gibst, dann bist du immer präsent und immer ansprechbereit. Das ist eine interessante und tolle Erfahrung.

Lass uns mal von vorne anfangen: Du arbeitest schon lange in der HEC, entwickelst Software in deinem Fachbereich C#. Wie kamst du darauf zu unterrichten?

Ich - gar nicht! Gabi Rosenbaum hatte vor knapp drei Jahren angefangen, ihren Trainerpool auszubauen und sprach unter anderem mich an, ob ich nicht Lust hätte, drei Wochen lang das Modul C# in der Umschulung zu unterrichten. Ich fand das spannend und sagte spontan zu. Erst einen Monat vor dem Modul fing ich dann konkret an mich vorzubereiten: ich habe Themenkomplexe gebildet, daraus Tagesthemen gebildet, Übungen und Methoden festgelegt und versucht den roten Faden zu behalten. Jedes Thema muss ja sinnvoll auf den vorherigen aufbauen.

Und dann warst du ganz entspannt, als es begann?

Nicht wirklich. Ich war schon nervös, denn du weißt ja nicht, wie das, was du dir zurechtgelegt hast ankommt. Ich habe damals auch nach jedem 8-Stunden-Unterrichtstag noch den nächsten Tag vorbereitet. Das brauchte ich jetzt, in meinem dritten Durchgang nicht mehr zu tun. Aber die leichte Nervosität vor dem Beginn ist immer noch da.

Warum?

Weil ich keinen Schüler kenne! Hier sitzen in motivierter Erwartung 20 erwachsene Menschen, die alle sehr unterschiedliche Lebensläufe haben und du sollst für alle einen interessanten Unterricht machen. Es ist aber halb so wild, denn spätestens am Mittag ist die Spannung abgeflacht und ich weiß bei einigen schon, woran ich bin. Manche sind noch nicht so weit und haben das Vorwissen aus der ersten Programmiersprache noch nicht ganz verarbeitet. Denen helfe ich jetzt aufzuholen. Andere stellen schon ziemlich detaillierte Fragen, bei denen ich dann selbst erst mal nachdenken muss.

Genau, du bist ja schon länger raus aus der Theorie. Wie finden die Teilnehmenden es denn, dass du aus der Praxis bist und dein Theoriewissen nicht wie aus der Kanone kommt?

Sie finden das richtig spannend. Dass ich überlegen muss ist überhaupt nicht schlimm. Aber dass ich aus meiner Praxis erzähle und weiß, was wirklich und wie angewandt wird, so etwas ist für die zukünftigen Entwickler wirklich spannend und motivierend. Danach wird häufiger gefragt.

Dein Unterricht ist also durchaus lebhaft.

Ja, auch. Außer bei den Übungen. Da herrscht Konzentration und ich gehe durch die Reihen der Leute und helfe wo nötig. Es gibt aber in jeder Klasse einige, die sind ganz engagiert und fragen nicht nur viel, sondern unterstützen auch ihre Nachbarn.

Und momentan? Ihr sitzt ja alle zuhause, oder?

Ja, das tun wir. Und ich finde, der Unterricht ist dem in der Klasse überraschend ähnlich. Die Teilnehmenden kennen sich ja alle persönlich und kommunizieren wie gewohnt. Nur ich muss auf die Signale durch Mimik und Gestik verzichten, weil wir i.d.R. alle die Kameras ausschalten. Das heißt, die Gefahr, dass Einzelne, ohne dass ich es merke, am Thema scheitern, ist auf Distanz sicher größer.

Würdest du mehr unterrichten, wenn du gefragt wirst?

Das ist theoretisch nicht zu beantworten. Die Arbeit im Unterricht macht mich sehr zufrieden, aber sie fordert mich auch und nach drei Wochen bin ich dann auch wieder über meinen Schreibtisch mit meiner Programmierarbeit froh. Wenn die Nachfrage kommt, dann werde ich darüber nachdenken.

Wann bist du das nächste Mal im Unterricht?

In zwei Wochen schon. Jetzt ist mein Kollege Clemens in der Klasse mit dem Thema Web-Entwicklung und danach beteiligen wir uns stundenweise als Coaches in dem Scrum Projekt Training, das jedes Jahr fest zur Ausbildung im IT-Bildungshaus gehört. Und danach werde ich im Winter das C# Modul in der Teilzeitklasse unterrichten. Das sind dann wieder Menschen aus ganz anderen Lebenssituationen. Das ist auch schön: man hat als Trainer ja keinen ständigen Kontakt zu Kollegen, aber man ist Teil einer Gemeinschaft von interessanten Schülern und Lehrern.

Was am Unterrichten macht dich am meisten zufrieden?

Ich freue mich, dass ich zukünftigen Kollegen was beibringen kann. Sie bekommen von mir Kenntnisse vermittelt, die sie für ihr Praktikum und das Abschlussprojekt brauchen. Und je besser ich das mache, desto weiter kommen sie damit und vielleicht werden sie ja mal meine eigenen Kollegen. Bei vielen merke ich auch direkt, dass ich ihnen etwas vermittelt habe, womit sie arbeiten können und dass es im Kopf hängen bleibt. Das freut mich persönlich.

Wie ist denn der Austausch mit dem festen Team des IT-Bildungshauses?

Der ist gut. Die sind sehr hilfsbereit und hören auch zu, wenn man mal etwas loswerden möchte. Das Büro ist ja auf demselben Gang wie die Klassenräume. Was ich noch unbedingt machen will, ist, an einem Train the Trainer Seminar von Susanna teilzunehmen. Das hat sich leider noch nicht ergeben.

Na, vielleicht klappt das ja noch vor deinem nächsten Einsatz im Winter. Ich danke dir für das offene Gespräch, Dennis.